Congress-Leben
Erschien am in uninformation.org.
So ein Congress ist schon hart. Lange Tage, kurze Nächte, stets ist man auf der Jagd nach Konnektivität und Elektrizität. Man tut gut daran, erst nach Einbruch der Dunkelheit den Ort des Geschehens zu verlassen, denn der Schock des Tageslichts nach dem Halbdunkel im Kreise der versonnen auf ihre Notebooks schauenden und hackenden Nerds wäre zu groß. Übrigens erweitert sich von Jahr zu Jahr das Spektrum. Man sieht tatsächlich Notebooks von deren Schirmen Windows häßlich entgegen grinst. Und dessen Benutzer nach »Linux« googlen, ein guter Anfang!
Als vom inneren Drang des Bloggens besessenes Individuum hat man ein besonderes Problem: Kaum hat man etwas notiert und verarbeitet und würde was drüber bloggen wollen, steht schon die nächste Veranstaltung vor der Tür. Und wenn man gar die Stunden verquatscht, kommt man zu gar nix mehr…
Die beiden Vortragshöhepunkte des ersten Tages konnten unterschiedlicher nicht sein.
Es gab den hier schon vor ein paar Tagen angekündigten Beitrag von Anne Roth über das Leben unter Überwachung. Anne schilderte in ihrem beeindruckenden Vortrag Begebenheiten, die man so eigentlich nur aus Filmen wie »Das Leben der anderen« kennt. Die »Anekdoten« kann man in ihrem mittlerweile ja weidlich bekannten Blog nachlesen. Das Thema kommt herunter von seiner sachlichen Abstraktionsebene, wenn vorne jemand steht, der sich mit dem, was die politische Klasse »Sicherheit« nennt, konfrontiert wird. In den 80ern, in den Zeiten meiner politischen Sozialisation, war die Forderung nach Abschaffung des 129a und des Verfassungsschutzes mal ziemlich populär. Hier wäre eine neue Retro-Bewegung angebracht. »Standing ovations« für Anne nach ihrem Vortrag, wo gleich ihr Mobiltelefon eine der rätselhaften »Fehlfunktionen« hatte.
Kontrastprogramm gab es zu später Stunde, Johannes Grenzfurthner von monochrom referierte, besser gesagt, »performte« einen Vortrag über das Erscheinen des Computers in der populären Musik seit den 40er Jahren. Absonderliche Musikbeispiele wurden ausgegraben, der Höhe- und Schlusspunkt war eine krude Disco-Nummer aus Knüttelversen von einer Damen-Kapelle namens »Eurocats«. Christian hat dankenswerterweise ein paar Bilder gemacht. Das Publikum klatschte wild im Rythmus mit, wie sonst nur ihre Großeltern bei Florian Silbereisen.
Es ist genau diese thematische Bandbreite an Vorträgen, die den Congress jedes Jahr auf’s Neue so einzigartig macht.
Wer schreibt noch über den Congress:
- Netzpolitik.
- Die taz. Wie fast immer in der »normalen« Presse zu monothematisch auf einen Aspekt beschränkt, und fast schon zwanghaft einen Faden im Knäuel der unterschiedlichen Meinungen und Themen suchend, den man vor Ort so überhaupt nicht finden kann.
- Hier versucht jemand zu aggregieren. Mal schauen, ob und was da noch kommt.
- Und natürlich wie stets Christian auf »futur:plom«, auf einer bemerkenswerten Jagd nach der Vollständigkeit.
Theoretisch sollte man die Vorträge auch live per Stream verfolgen können, ich weiß aber nicht wie gut das »da draußen« wirklich funktioniert.

